L-Carnitin Nebenwirkungen: Herzinfarkt & Schlaganfall

L-Carnitin Nebenwirkungen gibt es nicht! Stimmt nicht: Denn das beliebte Nahrungsergänzungsmittel verursacht Herzinfarkt und Schlaganfall, fanden findige Forscher heraus. Die Darmflora ist schuld. Aber nicht immer. Hier sind die Fakten über die gefährlichen Nebenwirkungen von L-Carnitin und wie Sie sie vermeiden können.

L-Carnitin Nebenwirkungen Atherosklerose
Mögliche Auswirkungen eines Schlaganfalls auf das Gehirn

L-Carnitin: Heilmittel oder Todbringer

Sportler schwören auf L- Carnitin zur Leistungssteigerung. Der Alterungsprozess lässt sich mit L-Carnitin aufhalten. Ungeliebte Fettpolster verschwinden schneller mit L-Carnitin. Herzkranke und Schlaganfallpatienten profitieren von L-Carnitin. Ähnliches gilt für Diabetes, HIV, AIDS, Depressionen, Burnout, Unfruchtbarkeit und sogar für Krebs. Zumindest deuten zahlreiche Studien darauf hin. Deswegen wurde L-Carnitin zu einem der meist verkauften Nahrungsergänzungsmittel.

Jahrzehnte lang dachte man, dass L-Carnitin und seine Abkömmlinge wie Acetyl-L-Carnitin und Propionyl-L-Carnitin keine bedenklichen Nebenwirkungen hätten. Ein Überschuss werde ohne negative gesundheitliche Folgen einfach wieder ausgeschieden.

Man wußte zwar, dass es bei der Einnahme größerer Carnitinmengen (>3g/Tag) zu Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Schlaflosigkeit, Durchfall und fischartigem Körpergeruch kommen kann (Rebouche 1999, 1). Aber diese eher seltenen Nebenwirkungen verschwinden nach dem Absetzen schnell wieder.

So ging man noch im Jahre 2006 davon aus, dass die chronische Einnahme von bis zu 2g L-Carnitin-Äquivalenten pro Tag langfristig unproblematisch sei und keinerlei gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen mit sich brächte (Hathcock 2006, 2).

Forscher warnen vor lebensgefährlichen Nebenwirkungen

2013 deckte eine Studie jedoch auf, dass L-Carnitin von den Darmbakterien von Fleischessern in das giftige Trimethylamin (TMA) umgewandelt wird. Das TMA gelangt über die Darmwand ins Blut und wird in der Leber zu dem noch giftigeren Trimethylamin-N-oxid (TMAO) verstoffwechselt. TMAO scheint über eine Beeinflussung des Cholesterinstoffwechsels den Abbau von Cholesterinablagerungen in den Blutgefäßen zu beeinträchtigen und so das Atherosklerose-Risiko zu erhöhen (Koeth 2013, 3).

Die Autoren der Studie waren jedoch nicht frei von Interessenkonflikten, da sie direkt oder indirekt von den Ergebnissen Ihrer Forschungen profitierten. Denn sie standen auf der Gehaltsliste von Pharmaunternehmen, die in dem billigen L-Carnitin und seinen Abkömmlingen Umsatzeinbußen ihrer etablierten teuren Herz-Kreislauf-Medikamente befürchten mussten.

Die Carnitinwarnung wurde allerdings durch eine Untersuchung von 4007 Patienten mit einer Vorgeschichte von schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestätigt:

Diese Studie deckte auf, dass das Risiko der Studienteilnehmer, in den folgenden 3 Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen oder daran zu sterben, mit der Höhe ihres TMAO-Spiegels im Blut signifikant anstieg (Tang 2015, 4).

Bei schweren Durchblutungsstörungen infolge eines Verschlusses großer Arterien außerhalb des Herzens (periphere Gefäßerkrankung) kann ein erhöhter TMAO-Spiegel das Sterblichkeitsrisiko innerhalb von 5 Jahren sogar verdoppeln, berichtete eine weitere Studie an 935 Patienten (Senthong 2016, 5).

In demselben Jahr fanden andere Forscher heraus, dass TMAO auch das Thromboserisiko und die Entstehung von Plaques bildenden Schaumzellen begünstigen kann (Zhu 2016, 6).

Laut einer aktuellen Metaanalyse von 11 Studien mit über 10.000 Teilnehmern aus dem Jahre 2018 korreliert ein erhöhter TMAO-Spiegel im Blut mit einem um 23% erhöhten Risiko kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkt, Herzversagen, Herztod und Schlaganfall. Die Gesamtsterblichkeit lag hier um 55% über dem Wert der Kontrollgruppe. Je höher der TMAO-Spiegel im Blut war, desto größer war das Herz-Kreislauf-Risiko (Qi 2018, 7).

Verursacht L-Carnitin Herzinfarkt & Schlaganfall?

Die TMAO-Werte der Studienteilnehmer aus den vorerwähnten Studien waren jedoch nicht infolge einer Nahrungsergänzung mit L-Carnitin erhöht, sondern eher das Ergebnis einer fleischlastigen ungesunden Ernährung, die zu einer krankhaft veränderten Darmflora führte und den Körper dadurch zusätzlich vergiftete.

Dazu muss man wissen, dass der regelmäßige Konsum von rotem und vor allem verarbeitetem Fleisch zu einer Darmflora führt, die reich an TMA-bildenden Bakterien und arm an gesundheitsfördernden Darmbakterien ist.

Abgesehen davon ist der Vitalstoff- und Ballaststoffgehalt einer fleischlastigen Ernährung meist gering und die Konzentration von Giftstoffen hoch, was die Zusammensetzung der Bakterienstämme im Darm ebenfalls nachteilig verändert. Eine ungesunde Ernährungsweise schädigt aber nicht nur Darm, sondern nimmt dem Körper auch die Möglichkeit, Stoffwechselgifte zu neutralisieren, Schäden zu reparieren und sich zu regenerieren.

Der gefundene Zusammenhang zwischen TMAO und einer erhöhten Sterblichkeit ist auf eine Nahrungsergänzung mit L-Carnitin somit kaum übertragbar, insbesondere wenn die Ernährung vital- und ballaststoffreich ist, keine Schlafstörungen, kein Bewegungsmangel und keine überdurchschnittlichen Stressbelastungen vorliegen.

Studienlage zu Nebenwirkungen von L-Carnitin unklar

Ob ein allein durch L-Carnitin verursachter Anstieg des TMAO-Spiegels Arthrose verursacht und das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko erhöht, erscheint vor dem Hintergrund der folgenden Beobachtungen mehr als fraglich:

  1. So kam eine in 2019 veröffentlichte Studie zu dem Schluss, dass eine über 24 Wochen verabreichte Nahrungsergänzung mit L-Carnitin zwar den TMAO-Spiegel im Blut gesunder älterer Frauen verzehnfachte, aber keinen negativen Einfluss auf die Biomarker im Blut hatte, die typischerweise auf ein erhöhtes Risiko einer Atherosklerose hinweisen. Zu den untersuchten Biomarkern gehörten das Blutfettprofil, HDL, LDL, Cholsterin, Triglyceride, C-reactives Protein, Interleukin-6, TNF-α, L-Selectin, P-Selectin, VCAM-1 und ICAM-1 (Samulak 2019, 8).
  2. Der regelmäßige Konsum von Meeresfrüchten und Fisch ist bekanntermaßen ein exzellenter Schutz gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, obwohl gerade diese Tiere extrem viel TMAO enthalten.
  3. L-Carnitin wirkt gegen Insulinresistenz, Diabetes, Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Wang et al. 2018, 9). Verabreicht man zum Beispiel Patienten mit Herzschwäche, die schon bei alltäglichen körperlichen Aktivitäten oder sogar schon beim bloßen Umhergehen im Haus unter Atemnot leiden (NYHA Stadien II und III) 3 x 1g L-Carnitin pro Tag für 120 Tage in Form einer Nahrungsergänzung, so lässt sich nach 60 Tagen eine signifikante Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Blutwerte erkennen, die auch 60 Tage nach dem Absetzen von L-Carnitin noch nachweisbar ist. Dies zeigte eine placebokontrollierte Doppelblindstudie (Löster et al. 1999). Wenn die Nahrungsergänzung mit L-Carnitin das Herz tatsächlich schädigen sollte, würde man bei einer derart langen Supplementierung mit 3g L-Carnitin pro Tag eher eine deutliche Verschlechterung des Herz-Kreislaufsystems als eine derart signifikante Verbesserung erwarten – insbesondere bei Patienten mit einer schweren Herzerkrankung.
  4. Eine im Jahre 2019 veröffentlichte Metaanalyse kam schließlich zu dem Ergebnis, dass gesunde Erwachsene 6 Monate lang sogar bis zu 6g L-Carnitin-Äquivalente pro Tag als Nahrungsergänzung aufnehmen könnten, ohne negative Nebenwirkungen befürchten zu müssen (Davari 2019, 10).

Was ist mit Cholin?

Das dem Carnitin strukturverwandte Nahrungsergänzungsmittel Cholin und dessen Abkömmlinge mit einem hohen Cholinanteil, wie zum Beispiel Lecithin (Phosphatidylcholin), werden von den Darmbakterien von Fleischessern (Carnivoren) ebenfalls in TMA umgewandelt (Tang 2013, 4). 

Bei gemischter Ernährung nehmen Erwachsene täglich etwa 400 mg (Männer) bzw. 280 mg (Frauen) Cholin, aber nur 70-170 mg L-Carnitin auf (NHANES 2013-2014, 11; Rebouche 2004, 12). Der Cholingehalt der üblichen Ernährung ist also mehr als doppelt so hoch. Und es kommt noch schlimmer:

Cholin ist noch gefährlicher als L-Carnitin:

  • Aus einem Milligramm Cholin kann der Stoffwechsel mithilfe der Darmbakterien 1,5-mal so viel TMAO bilden wie aus 1 mg L-Carnitin.

Dennoch hält das US-amerikanische Institut of Medicine eine langfristige tägliche Aufnahme von bis zu 3,5 Gramm Cholin bei gesunden Erwachsenen für gesundheitlich unbedenklich (13). Bezogen auf die TMAO-Bildung entspräche das einem täglichen Zufuhr von 5,4 Gramm L-Carnitin.

Wäre es dann nicht am gesündesten, nicht nur alle carnitinhaltigen Lebensmittel vom Speiseplan zu verbannen, sondern auch alle cholinhaltigen Nahrungsmittel?

Dann jedoch gäbe es wohl nichts mehr, was man essen dürfte.

Vegetarier vor L-Carnitin Nebenwirkungen geschützt?

Vegetarier bilden aufgrund ihrer vergleichsweise gesunden Darmflora kaum TMAO aus L-Carnitin und Cholin und deren Abkömmlingen, es sei denn sie konsumieren dauerhaft Carnitin- oder Cholinsupplemente. In diesem Fall werden offenbar auch bei ihnen diejenigen Bakterienstämme im Mikrobiom des Darms gefördert, die Carnitin in TMA umwandeln (4).

Auffällig ist jedoch, dass Vegetarier kaum TMAO bilden, obwohl sie meist mehr Vorläufer von TMAO (Carnitin & Cholin) aufnehmen als Fleischesser. Es hat somit den Anschein, als ob der natürliche Carnitin- und Cholingehalt von Eiern, Milchprodukten, Fisch und pflanzlichen Lebensmitteln unbedenklich ist.

Verursacht L-Carnitin epileptische Anfälle?

Warnungen der Pharmazeutischen Industrie dahingehend, dass L-Carnitin bei Epileptikern epileptische Anfälle verursachen können, sind durch Studien nicht belegt. Dies ergab eine in 2016 veröffentlichte Metaanalyse aller bis dahin veröffentlichten Studien zu diesem Thema (Zeiler 2016, 14). Es sei im Gegenteil davon auszugehen, dass auch Patienten, die unter Epilepsie leiden, bei einem bestehenden Carnitinmangel von der Einnahme von Acetyl-L-Carnitin (ALC) profitieren. So zeigte eine kontrollierte Doppelblindstudie Studie mit 42 Epilepsie-Patienten aus dem Jahre 2015, dass ALC im Vergleich zur Placebogruppe nach 90 Tagen zum einer signifikanten Verbesserung von Gedächtnis, Sprachvermögen und Depressionen führte (Kim 2015, 15).

Tierexperimente zeigten ferner, dass Acetyl-L-Carnitin sowohl Anzahl als auch Dauer der epileptischen Krampfanfälle schon nach zwei Tagen deutlich reduziert. Die starke antioxidative Schutzwirkung von ALC konnte ebenfalls nachgewiesen werden (Hussein 2018, 16). 

Ein Grund für die demnach unbegründeten Warnungen der Pharmaindustrie vor dem Einsatz von L-Carnitin zur Behandlung von Epileptikern könnten darin bestehen, den Umsatz von Anti-Epileptika durch das um ein Vielfaches billigere und offenbar hoch wirksame Acetyl-L-Carnitin nicht zu gefährden.

Kalziumstoffwechsel

Hohe Dosen von L-Carnitin können auf die Dauer den Calciumgehalt im Blut verringern, weil L-Carnitin Calcium binden und so dem Stoffwechsel entziehen kann. Der so verursachte Calciummangel kann zu gefährlichen Calciummangelsymptomen wie zum Beispiel einer Verlangsamung der Blutgerinnung oder einer Störung des Calciumstoffwechsels in den Knochen führen (Banihani 2015, 17).

Wechselwirkungen mit Medikamenten

  1. Bei der Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten oder niedrigen Schilddrüsenwerten sollten L-Carnitin-Präparate nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden, weil die Wirkung von Schilddrüsenhormonen durch Carnitin beeinträchtigt werden kann.
  2. L-Carnitin interagiert mit Pivalinsäure, einer organischen Säure, die in manchen Antibiotika wie Pivampicillin vorkommt, um deren Aufnahme in den Körper zu steigern. Die im Stoffwechsel freigesetzte Pivalinsäure wird in Form von Pivaloyl-L-Carnitin ausgeschieden und kann so zu einer Entleerung der L-Carnitin-Speicher führen (Rebouche 2004, 12).
  3. Die Einnahme von Medikamenten gegen epileptische Krampfanfälle (Antikonvulsiva) wie Valproinsäure, Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin, die zum Teil auch als Psychopharmaka oder gegen Herz-Rhythmusstörungen eingesetzt werden, kann die körpereigene Bildung von L-Carnitin verhindern (Lheureux 2009, 20). Dies mag einen Teil der gravierenden Nebenwirkungen dieser Medikamente erklären.

Nierenfunktionsstörungen

Nierenfunktionsstörungen erhöhen das Risiko der schädliche Wirkung von TMAO, weil TMAO langsamer ausgeschieden wird und seine schädliche Wirkung im Körper somit länger entfalten kann. 

Dialyse-Patienten leiden in der Regel unter L-Carnitinmangel, weil L-Carnitin bei der Blutwäsche (Hämodialyse) ausgewaschen wird. Eine orale oder noch besser intravenöse Zufuhr von L-Carnitin nach der Dialyse behebt diesen Mangel.

Nebenwirkungen von L-Carnitin reduzieren

Die Bildung des giftigen Stoffwechselproduktes TMAO ist von drei Faktoren abhängig:

  1. Zusammensetzung der Darmflora
  2. Die Carnitinart und -menge
  3. Die Nierenfunktion

Wer diese drei Einflussfaktoren kennt und sich entsprechend verhält, kann sich bei der Einnahme von Carnitin-Nahrungsergänzungsmitteln vor einer möglichen TMAO-Bildung schützen. Und das funktioniert so:

8-Punkteplan

  1. Nehmen Sie L-Carnitin und seine Abkömmlinge nicht ohne guten Grund ein.
  2. Wenn Sie Carnitin einnehmen, dann am besten nur Acetyl-L-Carnitin (ALC), weil ALC schneller aufgenommen wird und besser wirkt als L-Carnitin. Je schneller L-Carnitin vom Darm aufgenommen wird, desto weniger L-Carnitin gelangt in die Darmbakterien.
  3. Synthetisch hergestelltes Carnitin ist meist ein Gemisch aus D- und L-Carnitin. Beide Molekülstrukturen verhalten sich wie Bild und Spiegelbild. In der Natur kommt jedoch nur das L-Carnitin vor. D-Carnitin ist giftig, weil die Aktivität von L-Carnitin hemmt und sollte daher gemieden werden.
  4. Je mehr L-Carnitin-Äquivalente Sie in Form von Nahrungsergänzung einnehmen, desto weniger gelangt davon ins Blut und desto mehr in den Dickdarm. Daher sollten Sie pro Tag nicht mehr als 2-3g Carnitin-Äquivalente aus Supplementen einnehmen, um eine mögliche TMA-Bildung im Dickdarm zu minimieren.
  5. Nehmen Sie die Tagesdosis nicht auf einmal ein, sondern in 2-3 Portionen mit den Mahlzeiten. Dadurch werden die Transportkanäle im Dünndarm nicht überlastet, während die in den Dickdarm gelangende Carnitinmenge auf ein Minimum reduziert wird.
  6. Sie können die TMAO-Bildung durch Carnitin-Supplemente komplett vermeiden, wenn Sie sich ALC intravenös von Ihrem Arzt verabreichen lassen. Bei dieser soggenanten parenteralen Darreichungsform entsteht kein TMAO. Dies empfiehlt sich insbesondere nach einer Dialyse sowie nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, weil dadurch die Regeneration von Herz bzw. Gehirn erheblich beschleunigt und Langzeitschäden reduziert werden können.
  7. Je gesünder Sie sich ernähren, desto mehr L-Carnitin kann der Körper selbst bilden und desto geringer sind der zusätzliche Carnitinbedarf und die Anzahl der schädlichen Bakterien, die an der Bildung von TMAO beteiligt sind.
  8. Schlafen Sie täglich 7-8 Stunden, vermeiden Sie chronischen Stress und seien Sie täglich mindestens 30 Minuten körperlich aktiv. Denn Schlafmangel, Dauerstress und Bewegungsmangel ruinieren den Stoffwechsel, die Darmflora und die Organe.

Eigenproduktion von L-Carnitin

Wer regelmäßig L-Carnitin in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nimmt, riskiert, dass die körpereigene L-Carnitin-Produktion heruntergefahren wird. Von dieser Nebenwirkung sind vor allem Vegetarier und in noch größerem Umfang Veganer betroffen, weil Sie mit der Nahrung nur wenig bzw. extrem wenig L-Carnitin aufnehmen und ihren Carnitinbedarf daher zum größten Teil über die körpereigene Produktion abdecken. Daher sollten Sie L-Carnitin nach längerer Einnahme nicht abrupt absetzen, sondern langsam ausschleichen, um dem Stoffwechsel die Möglichkeit zu geben, seine Eigenproduktion wieder hochzufahren.

Aber denken Sie daran:

Der Stoffwechsel kann L-Carnitin nur dann selbst herstellen, wenn Sie mit der Ernährung ausreichende Mengen der essenziellen Aminosäuren Lysin und Methionin, der Vitamine C, B6, B3, B12 und Folsäure sowie der Mineralstoffe Eisen und Magnesium zuführen.

L-Carnitin kaufen

Kaufen Sie aber nur Acetyl-L-Carnitin höchster Qualität und Reinheit. Der Kauf von L-Carnitin im Internet ist verlockend, weil die angebotenen Produkte oft sehr viel billiger sind. Kommen die Rohstoffe oder die Produkte jedoch aus China oder ähnlichen Ländern, so muss man damit rechnen, dass sie mit Schwermetallen, Schadstoffen und sogar unerlaubten Drogen verunreinigt sein können. Seriöse Produkte sind nicht immer leicht zu erkennen:

Fazit

Dass die Darmbakterien bei der Entwicklung komplexer Stoffwechselkrankheiten wie Übergewicht und Adipositas (Fettsucht) eine entscheidende Rolle spielen, war in der Fachwelt lange bekannt (Kallus 2012, 18; 19). Relativ neu dagegen ist, dass das Mikrobiom des Damres durch L-Carnitin und seine Analoga verändert wird und bei der Entstehung von Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall eine tragende Rolle spielen kann.

Die Meldungen zur angeblichen Gefährlichkeit von L-Carnitin erscheinen vor dem Hintergrund der hier offengelegten Fakten stark übertrieben. Solange jeodhc keine Klarheit darüber herrscht, ob L-Carnitin und seine Abkömmlinge das Herz-Kreislaufrisiko durch die Bildung atherosklerotischer Ablagerungen in den Blutgefäßen erhöhen, sollten L-Carnitin-Nahrungsergänzungsmittel nur nach dem oben genannten 8-Punkteplan eingenommen werden.

Referenzen

Referenzen

  1. Rebouche CJ. Carnitine. In: Modern Nutrition in Health and Disease, 9. Ausgabe (edited by Shils ME, Olson JA, Shike M, Ross, AC). Lippincott Williams and Wilkins, New York, 1999, Seiten 505-512.
  2. Hathcock JN., Shaw A.. Risk assessment for Carnitine. In: Regulatory Toxicology and Pharmacology. Okt. 2006 (46(1)). Seiten 23-28.
  3. Koeth RA. et al. „Intestinal microbiota metabolism of L-carnitine, a nutrient in red meat, promotes atherosclerosis.“ In: Nat Med, Mai 2013; 19(5): S. 576-585.
  4. Tang W.H. et al., „Intestinal Microbial Metabolism of Phosphatidylcholine and Cardiovascular Risk.“ In: N Engl J Med. 2013 April 25; 368(17): 1575–1584.
  5. Senthong V. et al. „Trimethylamine N‐Oxide and Mortality Risk in Patients With Peripheral Artery Disease.“ In: J Am Heart Assoc. Oktober 2016;5:e004237
  6. Zhu W. et al. „Gut microbial metabolite TMAO enhances platelet hyperreactivity and thrombosis risk.“ In: Cell. März 2016 (116) S. 111-124.
  7. Qi, J. et al. „Circulating trimethylamine N‐oxide and the risk of cardiovascular diseases: a systematic review and meta‐analysis of 11 prospective cohort studies“ In: J. Cell Mol. Med. Januar 2018, 22(1) S. 185-194.
  8. Samulak JJ. „L-Carnitine Supplementation Increases Trimethylamine-N-Oxide but not Markers of Atherosclerosis in Healthy Aged Women“. In: Annals of Nutrition & Metabolism 2019;74(1). Seiten 11-17.
  9. Wang ZY et al. „L-Carnitin and heart Diesease.“ In: Life Science, Februar 2018 (194), S. 88-97.
  10. Davani-Davari D. et al. „The Renal Safety of L-Carnitine, L-Arginine, and Glutamine in Athletes and Bodybuilders.“ In: Journal of Renal Nutrtion, Mai 2019 29 (3), Seiten 221-234.
  11. NHANES 2013-2014
  12. Rebouche CJ. „Kinetics, Pharmacokinetics, and Regulation of L-Carnitine and Acetyl-L-carnitine Metabolism“ In: Ann. N.Y. Acad. Sci. 1033: 30–41 (2004).
  13. Institute of Medicine. Food and Nutrition Board. Dietary Reference Intakes: Thiamin, Riboflavin, Niacin, Vitamin B6, Folate, Vitamin B12, Pantothenic Acid, Biotin, and Choline. Washington, DC: National Academy Press; 1998.
  14. Zeiler FA. et al. „Levocarnitine induced seizures in patients on valproic acid: A negative systematic review.“ In: British Epilepsy Association, März 2016 (36) S. 36-39. Kallus SJ, Brandt LJ. The Intestinal Microbiota and Obesity. Journal of Clinical Gastroenterology 2012;46:1, Seiten 6–24.
  15. Kim J. „The effects of acetyl L-carnitine treatment on cognitive and memory function in epileptic patients under antiepileptic medication.“ In: Neurological Science, Oktober 2015, Band 357, S. e150-e151
  16. Hussein AM. et al., „L-Carnitine Modulates Epileptic Seizures in Pentylenetetrazole-Kindled Rats via Suppression of Apoptosis and Autophagy and Upregulation of Hsp70“. In: Brain Sci. März 2018, 8(3), 45, S. 1-18.
  17. Banihani SA et al. „L-carnitine is a calcium chelator: a reason for its useful and toxic effects in biological systems.“ In: J. Basic Clin. Pharmacol. März 2015, 26(2). S. 141-145.  
  18. Kallus SJ and Brandt LJ. „The Intestinal Microbiota and Obesity.“ In: J Clin Gastroenterol 2012; 46:16–24.
  19. Turnbaugh PJ, et al. An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harvest. Nature. 2006; 444:1027–1031.
  20. Lheureux PE, Hantson P (February 2009). “Carnitine in the treatment of valproic acid-induced toxicity”. Clinical Toxicology. 47 (2): 101–11.
  21. Bildnachweis: Dr. C Grefkes, Uniklinik Köln

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