Hungerstoffwechsel

Hinweis: Das Inhaltsverzeichnis wird auf Seite 6 des Beitrags Hungerstoffwechsel fortgesetzt.

IV. Stabile Hungerphase – Maximale Fettverbrennung

Die stabile Hungerphase schließt sich an die späte Hungerphase an und beginnt etwa 4-6 Wochen nach der letzten Mahlzeit. Die Merkmale der stabilen Hungerphase entsprechen den Merkmalen am Ende der späten Hungerphase.

  • Alle Organe haben sich auf maximale Verstoffwechselung von Ketonkörpern umgestellt.
  • Die Konzentrationen der freien Fettsäuren und Ketonkörper haben ihr Maximum erreicht.
  • Insulinspiegel, Blutzuckerkonzentration, Stickstoffausscheidung (Harnsäure, Harnstoff, Ammoniak)  und Glucoseverbrauch haben ihr Minimum erreicht.

Die erfolgte Anpassung des Hungerstoffwechsels auf maximalen Fettabbau bei minimalem Proteinabbau besteht so lange, bis die Fettreserven erschöpft sind. Voraussetzung ist – wie auch schon in den vorherigen Hungerphasen – eine ausreichende Zufuhr von Wasser und Mikronährstoffen.

V. Auszehrungsphase – Maximaler Proteinabbau

Hungerstoffwechsel MarasmusDie 5. Phase des Hungerstoffwechsels beginnt, wenn die schwindenden Fettreserven ihr lebensnotwendiges Minimum erreicht haben und der Körper seinen gesamten Kalorienbedarf aus der Verbrennung körpereigener Proteine gewinnen muss.

Sinkt der BMI (Body Mass Index) unter 18.5, spricht man laut WHO von Untergewicht, sinkt der BMI unter 17.5 von Magersucht. Bei einem BMI unter 15 (Jugendliche unter 14.5) ist eine stationäre Akutbehandlung zur Ernährung angezeigt. Ein BMI unter 10 gilt als extrem lebensbedrohlich.

Merkmale

  • Der Körperfettanteil hat sein lebensnotwendiges Minimum erreicht.
  •  Infolge der entleerten Fettspeicher sinken die Ketonkörper- und Fettsäurekonzentrationen im Blut.
  • Der steigende Zell- und Proteinabbau führt zu einer ansteigen Stickstoffausscheidung.

Risiken

  • Durch den extrem hohen Proteinabbaus entstehen so große Mengen an Ammoniak und Harnsäure, dass es zu einer Blutvergiftung oder zu Nierenversagen kommen kann.
  • Der zunehmende Abbau der Muskulatur und inneren Organe führt zu funktionellen Störungen bis hin zum Organversagen.
  • In diesem Stadium des Hungerstoffwechsels kann es zu einem Beginn der lebensgefährlichen Selbstverdauung des Darms kommen, die auch durch Nahrungsaufnahme nicht mehr umkehrbar ist.
  • Blockierung lebensnotwendiger Stoffwechselvorgänge mit Todesfolge.

Gewichtsverlust der inneren Organe beim Hungern

Organ Gewichtsverlust in %
Leber 40%
Darm 28%
Niere 20%
Blut 20%
Herz 18%
Muskeln, Haut, Knochen 8%
Gehirn 5%

Der tabellierte Gewichtsverlust während des Hungerstoffwechsels bezieht sich auf die Organmassen eines normalgewichtigen 70kg schweren Mannes vor Hungerbeginn.

Wie lange kann man hungern?

Die Überlebensdauer in dieser Phase des Hungerstoffwechsels hängt vom Ausmaß der noch verbliebenen Proteinmasse ab. Sinkt der Proteinanteil des Körpers unter 60% des Proteinanteils einer normalgewichtigen Person gleicher Größe, gleichen Alters und Geschlechts, besteht akute Lebensgefahr durch Herz-, Leber- oder Nierenversagen.




In den meisten Fällen kommt es infolge des rapide ansteigenden Mangels an funktionellen Proteinen (Enzyme, Hormone, Immunabwehrstoffe, Neurotransmitter usw.) aber schon vorher zu lebensbedrohlichen Stoffwechselstörungen, Ohnmachtsanfällen und einer derart wachsenden Immunschwäche, dass selbst Infektionen mit harmlosen Erregern tödlich verlaufen können.

Beispiel: 70kg schwerer normalgewichtiger Mann

Die Muskulatur enthält etwa 60% des gesamten Proteinanteils des Körpers. Knochen, Haut, Bindegewebe und innere Organe enthalten 40% der Proteinreserve des Körpers. Ein normalgewichtiger 70kg schwerer Mann hat eine Muskelmasse in Höhe von etwa 30kg. Bei  einem Eiweißgehalt der Muskulatur von 20% sind das etwa 6kg reines Eiweiß. In den ersten Hungerwochen kann der Körper aber schon bis zu 25% seiner Muskelmasse verlieren.

Insgesamt verfügt der 70kg-Mann über einen Proteinspeicher von 10kg reinen Eiweißes. Davon könnten maximal 40% oder 4kg zur Energiegewinnung genutzt werden. Der Brennwert von körpereigenem Eiweiß beträgt etwa 2kcal/kg. 4kg Eiweiß hätten demnach einen Brennwert von maximal 8.000kcal. Bei einem täglichen Kalorienbedarf von 1600kcal würde der Abbau körpereigener Proteine für 5 Tage reichen.

Der Fettspeicher des Mannes beträgt etwa 21% des Körpergewichts oder knappe 15kg Fett. Davon könnten maximal 13kg Fett zur Energiegewinnung genutzt werden. Körperfett hat einen Brennwert von 7000kcal/kg. 13kg Fett haben einen Brennwert von 91.000kcal. Bei einem täglichen Kalorienbedarf von 1600kcal würde der Fettspeicher für 57 Tage reichen.

Der 70kg schwere Mann würde ohne Nahrungszufuhr nach etwas mehr als 60 Tagen verhungern, vorausgesetzt er bekommt genügend Wasser und Mikronährstoffe.

Wie lange der Mensch hungern kann, hängt von der Größe seiner Fett- und Proteinreserven ab, und ob er während der Hungerphase genügend Wasser und Mikronährstoffe bekommt. Falls letzteres gegeben ist, können extrem fettleibige Menschen  etwas mehr als ein Jahr ohne Nahrungszufuhr auskommen, bis sie verhungern. Extrem unterernährte Menschen können schon nach wenigen Tagen verhungern, selbst wenn sie genügend Wasser und Mikronährstoffe aufnehmen.

Hungersymptome

  1. Stark abfallende Ketonkörperkonzentration
  2. Stark abfallender Fettsäurespiegel
  3. Rasanter Abbau der Skelettmuskulatur, inklusive der Atemmuskulatur
  4. Fortschreitender Abbau der inneren Organe inklusive des Herzmuskels
  5. Schneller Anstieg der Stickstoffausscheidung
  6. Fortschreitende Osteoporose mit erhöhter Gefahr von Knochenbrüchen
  7. Stetige Verringerung des Grundumsatzes
  8. Niedriger Blutdruck
  9. Der Puls sinkt auf Werte unterhalb von 35 Schlägen pro Minute
  10. Unfruchtbarkeit, Ausbleiben der Regelblutung
  11. Müdigkeit, Schwindel, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen
  12. Steigende Kraft- und Antriebslosigkeit, Schwäche
  13. Selbstverdauung des Darms bis zur irreversiblen Schädigung
  14. Ansteigende Infektanfälligkeit durch steigende Immunschwäche
  15. Kwashiorkor und Marasmus
  16. Sinkende Blutzuckerkonzentration
  17. Lethargie, Depressionen, Apathie
  18. Bewusstlosigkeit, Koma und Tod

Die Auszehrungsphase sollte durch ärztlich kontrollierte Nahrungszufuhr und permanente medizinische Überwachung der Stoffwechsellage möglichst schnell beendet werden, um irreversible Schädigungen des Organismus mit Todesfolge zu verhindern.

Entdecke jetzt auf der letzten Seite 6 des Beitrags „Hungerstoffwechsel“,

  • warum die unkontrollierte Wiederaufnahme der Nahrungszufuhr nach einer Hungerkur zu tödlichen Stoffwechselstörungen führen kann und wie Du Dich davor schützen kannst.
  • Abschließend bekommst Du 10 gesunde Ernährungstipps und 7 extrem wirkungsvolle Abnehmtipps.

Zum Anfang des Beitrags Hungerstoffwechsel

  1. Postabsorptive Phase
  2. Frühe Hungerphase
  3. Späte Hungerphase
  4. Stabile Hungerphase
  5. Auszehrungsphase
  6. Realimentation



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